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Aktuelle Version vom 1. Januar 1970, 00:33 Uhr
Philosophie und andere Nahrung für Kopf und Geist
Es gibt in der Neuzeit viele sogenannte Philosophien. Im Grunde sind sie - nach meinem Geschmack - jedoch oft nur langweilige mentale Wucherungen von Mitmenschen, die den Kontakt zu ihren eigenen Wurzeln verloren zu haben scheinen und die kaum mehr in der Lage sind auf ihr Herz zu hören oder, jenseits von Worten, die Schlichtheit und Faszination des gegenwärtigen Moments erfassen und genießen zu können.
Glücklicherweise gibt es auch heute noch in dieser Hinsicht Lichtblicke oder mehr noch, eine kristallene Klarheit von Gedanken und Visionen, deren Schlüssigkeit mich ganz tief berührt. Der nachfolgende Auszug aus einem Vortrag von Osho, einem indischen Mystiker, Philosophen und ... und ... ... dürfte für viele Menschen sicherlich mehr als provokant sein. Es ist dennoch einen Versuch wert, diese Passagen möglichst vorurteilsfrei - oder wie es im Englischen so treffend heißt - "open minded" zu lesen.
Die meisten Menschen auf der Welt verbringen ihr Leben aus einem ganz simplen psychologischen Grund in irgendeiner Sklaverei: Sklaverei ist behaglich. Freiheit ist ein offener Himmel. Sklaverei ist die Sicherheit des Käfigs. Der Vogel im Käfig braucht sich keine Sorgen ums Futter zu machen, braucht sich keine Sorgen um Feinde zu machen, braucht sich keine Sorgen um die wechselnden Jahreszeiten zu machen, aber um all dieser Sicherheit willen, hat er seine Freiheit verkauft.
Zen geht es darum, euch aus euren Käfigen herauszuholen. Diese Käfige haben schöne Namen - Christentum, Hinduismus, Jainismus, Buddhismus. Zen geht es um dies: Ganz egal, welche Form dein Käfig hat, lebe nicht in einem Käfig! Und das ganze Universum steht dir offen; du mußt nicht erst danach suchen, es pulsiert schon in deinem Herzen. Sei dir nur deines Inneren mehr bewußt, und du wirst anfangen, erwachsen zu werden.
Nur sehr wenige Menschen werden erwachsen, die meisten Menschen werden lediglich alt. Erwachsen zu werden, macht einen zum Buddha. Und der Niedrigste hat das Potential zum Buddha zu werden. Aber werde niemals Buddhist - das ist der Käfig. Gehöre niemals einer Organisation an. Gehöre nie zu einem Glaubens- oder Moralsystem. Gehöre einzig und allein deiner eigenen Freiheit an. Und Freiheit bringt ganz gewiß ungeheure Verantwortung mit sich. Für alles, was du tust, bist du verantwortlich. Es gibt niemanden sonst, der die Verantwortung übernimmt. Das ist der Grund, warum die Leute einverstanden sind, an alle möglichen Lügen zu glauben.
Gott ist eine Lüge, aber den Leuten ist damit geholfen, ihn verantwortlich zu machen. Er hat die Welt gemacht - und wenn er uns so gemacht hat, wie wir sind, trägt er die Verant- wortung. Sie haben an Propheten, an Heilande geglaubt, nur um ihre Verantwortung auf sie zu schieben. Und alle eure Heilande, eure Christusgestalten, eure Krishnas wollen nur das eine von euch: "Glaubt an mich, und ich werde für euer spirituelles Leben sorgen."
Es gibt Millionen von Christen, und sie glauben an Jesus und sie glauben an Gott, und ihre Spiritualität hat sich trotzdem nicht entfaltet, genausowenig wie sie sich in anderen Religionen entfaltet hat. Etwas stimmt grundsätzlich nicht. Zen kommt es darauf an, daß du erkennst, was daran falsch ist. Es fühlte sich gut an, die Verantwortung abzugeben - du bist die Bürde los. Aber mit der Verantwortung ist auch deine Freiheit verschwunden. Und ein Mann, der nichts von Freiheit weiß, weiß nichts vom Leben, weiß nichts von Liebe, weiß nichts von Kreativität, weiß nichts von diesem gewaltigen Universum.
Wenn ich sage, es gibt keine Bedeutung, meine ich damit, daß du die Bedeutung schaffen mußt. Es gibt sie nicht fix und fertig zu kaufen. Wenn ich sage, es gibt kein Ziel, meine ich damit einfach, daß du lernen mußt, ohne Ziele zu leben. Das Leben eines Menschen hat nur dann wirklich Sinn, wirklich Tiefe, wenn er keine Ziele hat, keine Schriften hat, wenn er allein ist in diesem riesigen Universum - frei von jeder Führung.
Alle heiligen Schriften sind unheilig, weil sie alle vorgeben, dir Führung zu geben, dir Führer zu sein. Aber du brauchst keine Führer. Du brauchst Bewußtheit, und jeder Führer will, daß du blind bist. Es ist leichter für den Führer, wenn die Menschen blind sind, denn dann stellen sie keine Fragen, dann werfen sie keine Zweifel auf. Sie sind bereit, Sklaven zu sein, wenn man ihnen nur Sicherheit gibt. Und genau das ist es, was euch die Religionen geben: Sicherheit im Leben nach dem Tod, Sicherheit im Himmel.
Gerade neulich habe ich einen Film über Jesus gesehen - und ich liebe den Mann. Ich kritisiere nur jemanden, den ich liebe, sonst halte ich ihn nicht für wert, kritisiert zu werden. In dem Film waren ein paar Stellen ... An einer Stelle kam ein reicher Mann zu Jesus, ein junger Mann, der gerade ein halbes Reich geerbt hatte, und fragte ihn: "Ich würde so gerne mit dir gehen, aber was sind die Bedingungen?" Jesus antwortete: "Als erstes geh und verteile alles, was du besitzt, an die Armen." "Alles?" fragte der Mann. "Ja", antwortete Jesus. "Gib alles weg und komm zu mir." Der Mann stand da, er zögerte, und ein Kichern ging durch die Menge. Und als der reiche Mann in der Menge verschwand, um sich vor den Blicken der anderen zu verbergen, sprach Jesus den berühmten Satz: "Ein Kamel kann durch ein Nadelöhr gehen, aber ein reicher Mann kann nicht durch die Tore Gottes gehen."
Auf die Art hat man die Armut verherrlicht. Und indem man die Armut verherrlicht, zerstört man die Kunst, Reichtum zu schaffen, die Kunst, das Leben komfortabler zu gestalten, und man tröstet den Armen in seinem Elend, in seiner Armut. Und dieser Mann, der junge Mann, der gekommen ist - du hast zuviel von ihm verlangt, und zu früh! Ein Meister sollte es nicht eilig haben. Er hat gerade ein Reich geerbt und schon soll er alles verteilen ... Und er hatte gefragt: "Alles? Meinst du wirklich alles?" Wenn Jesus zu ihm gesagt hätte: "Verteile etwas davon", und wenn er ihm dann näher gekommen wäre: "Verteile noch etwas mehr", und je mehr er an Nähe und Einsicht gewachsen wäre, so wäre das ganze Reich verteilt worden. Jesus selbst ist es, der ihn daran hindert. Er kommt und ist bereit, aber zuviel zu verlangen, wenn die Zeit noch nicht reif ist, das zeugt von Übereile.
Ich hätte gar nichts von ihm verlangt. Wenn er gekommen wäre, hätte ich ihn willkommen geheißen, und so ganz allmählich hättet ihr ihm dann geholfen, sein Reich aufzulösen. Wirklich, ehe ein Mensch nicht wach und bewußt geworden ist, sollte man so etwas Unmögliches nicht von ihm verlangen. Aber alle Religionen haben seit jeher unmögliche, unnatürliche Dinge verlangt. Dieser Mann muß mit dem Schuldgefühl, mit dem Gefühl der Minderwertigkeit, weggegangen sein, weil er nicht mutig genug gewesen war. Jetzt hast du ihm eine Wunde beigebracht. Wer soll ihn jetzt heilen? Und die Leute haben auf Jesus geschaut, als wäre er ein Heiler! Und ich sage euch: Er hat der Menschheit mehr Wunden zugefügt, als irgendein anderer Mensch. Aber diese Wunden sind sehr psychologisch; sie sind nicht an eurem Körper, sondern in euren Gedanken. Aber alle Religionen tun das.
Alle Religionen haben die Frauen verdammt, weil sie den Körper einer Frau hassen, und niemand hat sich darum geschert, daß es ohne den Körper der Frau keine Fortpflanzung gäbe. Selbst der sogenannte Gott mußte sich einer Frau bedienen. Seltsam! Warum muß er die arme Maria schwanger machen? Und dann wurden beide verdammt: der Ehemann und die Frau! Von Jesus' Vater ist nirgends viel die Rede. Aber als ich mir die ganze Geschichte ansah, kam er mir viel menschlicher vor, viel verständnisvoller als selbst euer Gott. Konnte Gott nicht wenigstens diese neun Monate deichseln - war dieser Skandal etwa nötig, daß Jesus nicht der Sohn seines eigenen Vaters ist? Und der gleiche Gott gibt euch das Gebot: "Du sollst nicht ehebrechen" - und er selber tut es! Jesus ist der Beweis für Gottes Ehebruch.
Aber diese Fiktionen sind tröstlich - ein Gott, der erscheint, wenn man ihn braucht. Seltsam ... daß man ihn nur in Judäa, in Israel, gebraucht hat und sonst nirgends. Und Judäa ist eine unbedeutende Gegend ... nichts weiter Schönes dran. Gott sucht sich die Frau eines armen Schreiners aus - und man hält ihn für allmächtig, er weiß alles. Dann muß er also auch gewußt haben, daß dieser Junge mit dreiunddreißig Jahren gekreuzigt würde.
Obwohl sie das alles wußten, haben die Religionen dennoch die Frauen verdammt. Und all ihre Tirthankaras und all ihre Avataras, ihre Inkarnationen ... alle sind sie von Frauen geboren worden. Und dennoch wird die Mutter all eurer männlichen Götter verdammt. In der Dreieinigkeit des Christentums ist kein Platz für eine Frau. Tatsächlich hat man die Frau auf der ganzen Welt immer nur wie einen Gebrauchsgegenstand behandelt.
Aber warum haben sich die Frauen damit abgefunden? Aus dem gleichen Grund, aus dem ihr euch mit anderen Arten von Sklaverei abgefunden habt: Sicherheit. Der Ehemann wird für sie sorgen. In den alten indischen Schriften steht: "Solange die Frau ein Kind ist, soll der Vater für sie sorgen; wenn die Frau ein junges Mädchen ist, soll der Ehemann für sie sorgen, und wenn die Frau alt ist, soll der Sohn für sie sorgen." Aber mit dieser Sicherheit und Fürsorge zerstört ihr die Freiheit der Frau. Und die Frau hat sich damit abgefunden - genau wie andere Leute sich mit allen möglichen Arten von Sklaverei abgefunden haben - einfach, weil ihnen das Bewußtsein fehlt.
Zen bemüht sich nur darum, dich zu deinem eigenen Bewußtsein hinzuführen, und dann sind keine heiligen Schriften mehr nötig, und sind keine Führer mehr nötig. Du hast dein eigenes Licht und du kannst dementsprechend leben - voller Intensität, voller Freude, voller Tanz. Aber die Leute versuchen weiter einen Führer zu finden.
Osho, zu Besuch auf diesem Planeten
vom 11.Dezember 1931 bis 19.Januar 1990